Persiflage

Stadtgespräch - Fortsetzung (Teil III)

von Frank Phil Martin

Irgendwo auf einem Wochenmarkt in Berlin …

Herr Kasupke glaubt Herrn Schulze an einem Blumenstand erkannt zu haben und tippt ihn von hinten an die Schulter.

„Sind Sie det, Herr Schulze?“

Herr Schulze, der eine Sonnenbrille, ein Base-Cap und eine Maske trägt, dreht sich verwundert um und fragt:

„Wer will`n dit wissen?“

„Na ick bin`s men jutster, ick hab sie nur an ihrem Lodenmantel erkannt, sonst is ja nüscht mehr zu sehn von ihr`m Jesicht – alle Runzeln und Falten sind ausjebügelt mit ihre Vermummung, so kommt man sich vor wie`n Jungspunt – wa?“

„Na, dit kann man von Ihnen ja nich` behaupten - Sie trajen ja keene Maske, obwohl hier ne` Pflicht is.“

„Ja, ja, bleibn’se mal locker und nehmen erstmal nen tiefen Zuch Co2 unter ihrer Nasenhaube, sie wissen doch, ick mach bei dem janzen Mummenschanz nicht mit – ick lass mir doch nich` dit freie Atmen an frischer Luft nich` verbieten.“

„Denn passen`se bloß uff, dat die Polente sie nich uffgattert – die fackeln da nich` lange. Immerhin ham wa wieder Expo.“

„Wat ham wa?“, fragte Herr Kasupke.

„Na, explodiziertes Wachstum oder wie dit heißt.“

„Ach wat, lass die doch rumsülzen, die Zahlen ham wa doch nur weil sich alle die blöden Lötkolben in die Zinken rammen lassen – umso mehr se testen – umso mehr sind da! Wenn zehn Leute in den Wald rennen und Bäume zählen, dann finden se mehr als wenn nur eener rennt und zählt - is ne alte Binsenweisheit. Da muss ick keen studierter sein.“

Herr Schulze nimmt seinen Base-Cap ab und kratzt sich am Kopf.

„Aber ist det nich` wichtich alle zu testen, damit die kranken erkannt werden?“

„Nee, dit is nich` die Lösung sondern dit is det Problem – die machen alle meschugge mit ihre Testeritis. Jetz gibt’s inzwischen schon Schleim- und Schnieftests, sogar die Kleensten müssen sich mit dem Stängel inne Birne rumrühr`n und demnächst könnse nur noch einkoofen mit so`ne Rotzprobe. Mir reicht’s langsam mit die Sabbelköppe da oben!“

Herr Schulze nimmt sich die Sonnenbrille vom Gesicht und juckt sich ausgiebig den Nasenrücken.

„Na, jedenfalls sagen se immer, mit dit testen und mit de Impfung komm wa aus`m Schlamassel raus.“

„Ick sach ihnen mal wat dit Problem is, die testen mit ihre Sabber-Probe allet wat nich bei drei uff`m Baum is und glob`n damit ne Infektion zu erkennen, aba jenau dit stimmt nich` – der Test kann keene kranken erkennen – glob’nse ma nich wa?“

„Dit hab ick och schon jehört – aber wieso mach`n die det denn?“

„Na, dit erzähl ick ihnen mal bei ne` Pilsette – uff jeden Fall findet der Test ooch tote Reste von dit Virus und wenn wa nich uffhörn mit die Fisimatenten den komm wa nie aus die Nummer raus.“

Herr Schulze macht einen Schritt zur Seite, schaut nach rechts und links und nimmt sich etwas verstohlen die Maske von Gesicht, tritt dann etwas dichter zu Herrn Kasupke heran und flüstert:

„Wat mein`se denn zu die Impfung – hamse schon` nen Termin jemacht?“

„Dit hab` ich ihnen doch letztet Jahr schon jeflüstert, ick lass ma die Jiftgrütze nich` rinnhau`n, dit is doch janich richtich jetestet und keener wees wat danach passiert und trotzdem renn`se alle inne Zentren – ick kriech gleich` nen Föhn wenn ick daran denke …!“

„Also wenn ick sie richtich verstehe, dann mein`se – nich` testen und nich` impfen?“

„Jenau so isset, ansonsten jilt, wenn man krank is inne Bude bleiben, so wie früher, nen bischen uffpassen, keen abknutschen und immer schön inne Hände spucken – dit letzte war`n Scherz, Spaß muss sein, jibt ja sonst nüscht mehr zu lachen.“

„Da sagn`se wat – allet paletti und jut dat wa uns mal wieder jeseh’n hab`n ...!

„So, ick werd jetz nen Abjang machen. Bleibn’se uff Zack und das mir keene Klagen kommen, mein jutster – und ick meld` mir mal, wejen de Molle …“

Herr Kasupke und Herr Schulze verabschieden sich mit einen zünftigen Handschlag und einem beiderseitigen freundlichem Lächeln.

 

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