Kurzgeschichte

(Lügen-) Märchen  von der Königin Non+ultra

von Frank Phil Martin

Vor langer Zeit lebte eine boshafte Königin, die hieß Non+ultra. Sie besaß viel Macht im Königreich, sodass sie Gesetze erlassen konnte wie es ihr gefiel und alle Bürger im Lande mussten sich danach richten. Taten sie es nicht wurden sie hart bestraft. Auch deshalb war die Königin im Volk nicht sehr beliebt. Nicht immer waren die Gesetze zum Wohle des Landes und so waren die Bürger mit vielem was die Königin verordnete nicht einverstanden. Selbst die Monarchen in ihren eigenen Reihen hatten der Königin in letzter Zeit, des Öfteren widersprochen. Aber genau das ärgerte die Königin und sie überlegte, wie sie die Bürger und Statthalter dazu bringen könnte, alle ihre Befehle zu befolgen. Da verfiel sie auf eine List, „wir müssen den Menschen Angst machen, dann werden sie alles tun was ich ihnen sage!“. Sogleich sandte sie ihren Boten 0,Nix aus und ließ nach ihren drei Söhnen, #undquer, #gefährlich und #gemein schicken, den einzigen denen sie vertraute. Als sie eingetroffen waren, sagte Non+ultra, „wir werden den Leuten so viel Angst einflössen, dass sie alles tun was ich ihnen sage.“ #gemein, grinste über das ganze Gesicht und fragte erwartungsvoll: „Wie wollt Ihr das machen Mutter“? „Ganz einfach“, sagte Non+ultra, „wir werden ihnen sagen, dass unser Hof-Mediziner falscher50er ein Virus entdeckt hat, der sich im ganzen Land verbreitet und vor dem sich alle schützen müssen.“ Falscher50er, der inzwischen ebenfalls eingetroffen war und ein wenig verschlafen aussah, kratze sich seine verwuschelten Haare am Kopf und sagte, „aber verehrte Königin, ich habe doch solch einen Virus gar nicht.“ Die Königin zog beide Mundwinkel nach oben und sagte, „das wissen wir, aber die Leute nicht, wir müssen es nur behaupten und ihnen so viel Angst machen wie möglich und das, mein lieber Sohn #gefährlich, ist deine Aufgabe.“ „Und was mache ich“? fragte #undQuer ungeduldig. „Du verbreitest die Nachricht mit 0,Nix so schnell wie möglich.“ Wenig später verkündeten die Botschafter die Kunde einer tödlichen Seuche im ganzen Land. Die meisten Leute waren panisch und voller Entsetzen, sie verbargen sich in ihren Häusern, viele gingen nicht mehr arbeiten und jeder misstraute dem anderen, die meisten gaben sich nicht einmal mehr die Hand zum Gruß, oder sprachen miteinander, jeder fürchtete sich vor dem anderen und hatte Angst vor dem schlimmen Virus.

 

Diese Kunde erreichte bald auch die drei Brüder, 8sam, 2felnd und Bed8. Sie wussten, dass die Königin eine machtbesessene Herrscherin war und nicht immer nur Gutes für ihr Volk im Schilde führte. Und so beschlossen sie, die Dinge zu beobachten und zu prüfen. Schon bald merkten sie, dass eigentlich niemand schwerer erkrankte als sonst, natürlich starben auch alte und kranke Leute, aber das gab es früher schon und es waren nicht mehr als sonst. Irgendetwas kam ihnen daher komisch vor und sie zweifelten an der Gefährlichkeit des vermeintlich neuartigen Virus. Bed8 sagte daraufhin, „lass uns doch zu den drei Weisen 2schneidig, 2gleisig und 2deutig gehen, die können uns bestimmt weiterhelfen.“ Die drei Brüder machten sich auf den Weg. Die drei Weisen hatten natürlich auch schon von den Dingen erfahren und waren tief besorgt. 2deutig sagte, „wir haben bereits unsere Nachforschungen angestellt und herausgefunden, dass das neue Virus nicht so gefährlich ist wie es die Leute glauben, aber wir müssen besonders auf die kranken und alten achten und sie schützen, für alle anderen besteht keine große Gefahr.“ 2schneidig bemerkte, „viel schlimmer als das Virus ist, dass die Leute nicht mehr arbeiten und ihr täglich Brot verdienen können, nur noch in den Häusern sind und den anderen misstrauen“. Und 2gleisig fügte hinzu, „wir müssen zur Königin und mit ihr sprechen, damit sie dies den Leuten mitteilt.“ Gesagt getan, noch am selben Tag machten sich die drei Brüder und die drei Weisen auf den Weg zur Königin Non+ultra. Aber zur Verwunderung empfing die drei Reisenden nicht wie gewohnt die Königin, sondern der Gesundheitsberater 9xklug, er sagte, „die Königin Non+ultra sei nicht zu sprechen und an Ihren Regeln gibt es nichts zu verhandeln, sie dürfen nicht hinterfragt werden“. So sehr sich die drei Weisen auch bemühten 9xklug zu überzeugen, so wurden sie am Ende doch abgewiesen.

 

Als sie alsbald wieder vor den Stadttoren standen, schauten sich die Weisen und die Brüder fragend an, 2deutig kratze sich am Bart und sagte, „das ist sonderbar, sonst hat die Königin immer sehr großen Wert auf unseren Rat gelegt und nun hört sie nur noch auf fascher50er?!“ In den darauffolgenden Tagen wurde es noch merkwürdiger, die Boten der Königin verkündeten von Dorf zu Dorf, dass von nun an jeder Bürger einen Stofflappen vor dem Gesicht tragen muss um eine mögliche Ansteckung zu verhindern. Vor lauter Angst hielten sich die allermeisten daran, aber die Leute bemerkten nicht, wie sie sich immer mehr voneinander abwandten und nicht mehr wie sonst miteinander sprachen, nicht mehr tanzten, lachten oder sangen – in den Dörfern war alles stumm und still geworden. Die drei Weisen und die drei Brüder trafen sich nun jede Woche, einige wenige waren noch hinzugekommen, sie waren voller Sorge und überlegten wie dem Unheil beizukommen wäre, denn inzwischen war die Not bei vielen sehr groß geworden, da viele nicht mehr ihr täglich Brot verdienen und ihrer Arbeit nachgehen konnten. Die Königin Non+ultra hatte sogar einigen Berufsverbot erteilt, sodass immer mehr Menschen bitter arm wurden. Da sagte 8sam, „wie wäre es denn, wenn wir den Großmeister 7Sinn fragen was zu tun wäre, vielleicht hat er eine Lösung?“ Alle waren einverstanden, nur 2gleisig murrte ein wenig, denn der Großmeister 7Sinn lebte auf einem hohen Berg und der Weg dorthin war sehr mühsam. Als der Großmeister 7Sinn über alles unterrichtet worden war, er hatte in seiner Abgeschiedenheit von all dem nichts mitbekommen, schüttelte er nur den Kopf. „Ja, das ist allerdings eine schlimme Sache, die allermeisten sind nur einfache Leute und ihr könnt sie nicht überzeugen und zudem haben sie Angst – dagegen kommt ihr nicht an, sie werden Euch nicht glauben. Daher sehe ich nur zwei Möglichkeiten.“ „Und welche wären das“? fragte 2deutig. 7Sinn holte tief Luft und sagte, „entweder ihr wartet ab, bis die Leute selber dahinter kommen, oder ihr müsst beweisen, dass die Königin gelogen hat – etwas anderes kann ich Euch leider nicht raten.“ „Aber wie sollen wir das beweisen“? rief 2felnd, „das ist doch nicht möglich, die Königin lässt uns nicht einmal in ihre Nähe.“

 

Enttäuscht wandten sich die sechs Reisenden ab und waren gerade im Begriff zu gehen, da rief 7Sinn, „halt wartet, ich habe noch eine andere Idee. Wie wäre es denn, wenn ihr falscher50er im Wald überrascht, er sammelt doch immer Pilze für sein Labor, dann sagt Ihr ihm ihr wärt alle infiziert und würdet ihn jetzt anstecken. Dann braucht Ihr nur noch seine Reaktion abzuwarten.“ „Ja, Du hast recht“, sagte 2gleisig, „er hat doch früher auch schon die Leute verunsichert mit seinem Schweinewurm und dem Vogelpilz, könnt Ihr euch noch erinnern?“ Die anderen nickten und stimmten ihm zu. Eines Abends schlichen sich die drei Brüder und 2deutig, als Zeuge, in den Wald und warteten auf falscher50er, der vergnügt auf seinem Rundgang war, um Pilze zu suchen. Die vier schlichen sich von hinten an ihn heran, überraschten ihn und sagten, „hey, falscher50er was machst Du hier im Wald?“ „Hallo ihr Leute, ich sammele Pilze und Beeren und mache daraus ein Medikament für das schlimme Virus und was wollt ihr hier?“ „Wir sind alle von dem schlimmen Virus befallen“, flunkerten sie, 8sam trat ganz nah an falscher50er heran und musste sogleich niesen, auch Bed8 hustete heftig und schnäuzte lautstark seine Nase. Falscher50er erschrak und ging einen Schritt zurück, dann lachte er aber und sagte, „ach was, Ihr könnt mir keine Angst machen, das Virus ist nicht so gefährlich wie alle Leute glauben“. Als er dies ausgesprochen hatte, merkte er erst, dass ihm die vier eine Falle gestellt hatten und versuchte davon zu laufen, aber 8sam und Bed8 schnitten ihm den Weg ab, hielten ihn fest und sagten, „so und genau das sagst Du jetzt allen Menschen im Königreich persönlich, vor unser aller Augen, damit die Bürger wieder in Frieden und Freiheit leben können.“ In den darauf folgenden Tagen gingen sie gemeinsam mit falscher50er von Dorf zu Dorf, der mit hochroten Kopf allen Bewohnern von der gemeinen Lüge der Königin Non+ultra berichten musste. Die Königin aber erhielt bald darauf ihre gerechte Strafe und wurde samt ihren drei Söhnen in das Verlies geworfen. Alsbald kehrte wieder ein fröhliches Leben ein im Königreich, die Menschen umarmten und küssten sich wieder, es wurde wieder getanzt und gelacht. Die alten und kranken aber wurden besonders aufmerksam betreut. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.         

 

© All rights reserved. Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Autors. (13.3.2021)

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